Soulkitchen

Ute Holsinger

02241-2618759

Bahnhofstr. 4 53721 Siegburg

Wie wirkt die Pandemie auf seelisch belastete Menschen?

Was macht die Corona-Pandemie mit Deinen Klient*innen?

Kurz vorweg: Ich arbeite ja im Rahmen meiner Praxis Soulkitchen, aber auch in der Eingliederungshilfe, dem Ambulant Betreuten Wohnen. Gerade da fühlen sich meine Klient*innen häufig sehr einsam und hilflos. Da sie in den meisten Fällen alleinstehend sind und nur über ganz wenige soziale Kontakte verfügen, sind sie insbesondere auf die Kontakte im Hilfesystem angewiesen. Dort findet im Moment - z.B. im Freizeitbereich - fast nichts statt. Auch Ämter und Behörden haben geschlossen und sind nur telefonisch oder über E-Mail zu erreichen. Die Erreichbarkeit ist insgesamt schwieriger.

Welche besonderen Herausforderungen stellt Corona gerade an Menschen mit psychischen Erkrankungen und/oder Suchterkrankungen?

Ängste und depressive Gedanken treten vermehrt und gesteigert auf. Da sie häufig wenige Ansprechpartner*innen haben, brauchen sie mehr Informationen, entlastende Gespräche und Anleitung zum Umgang mit der Pandemie. Auch trauen sie sich manchmal gar nicht mehr vor die Tür, sodass im Rahmen meiner Arbeit beim Betreuten Wohnen Einkäufe und Botengänge für sie erledigt werden müssen.

Was können wir alle tun, um gut durch die Corona-Krise zu kommen?

Für sehr wichtig halte ich die Einhaltung der notwendigen Hyghiene- und Abstandsregeln. Wir sollten - soweit das geht - zu Hause bleiben. Des Weiteren finde ich es äußerst wichtig, dass wir jetzt alle zusammen halten und uns gegenseitig unterstützen. Damit meine ich, dass wir z.B. sehen, ob unsere direkten Nachbarn vielleicht Hilfe brauchen und wir beispielsweise für sie etwas mit einkaufen können. Oder Menschen, von denen wir wissen, dass sie einsam sind, einfach mal anrufen. Außerdem halte ich die Impfung gegen das Corona-Virus für sehr wichtig, damit wir die Pandemie in den Griff bekommen. Ich kann es auch verstehen, dass Einzelne Angst haben vor Nebenwirkungen oder Spätfolgen… denke gleichzeitig, dass die Impfung ein Allgemeinbeitrag sein sollte, damit wir alle - und insbesondere die Kinder, Jugendlichen und junge Erwachsenen - wieder mehr Lebensqualität erhalten.

Was können insbesondere Menschen mit psychischen Belastungen und/oder Suchterkrankungen tun?

Sie sollten sich ebenfalls an die Einhaltung der notwendigen Hygiene- und Abstandsregeln halten. Darüber hinaus denke ich, dass sie Unterstützung annehmen oder sich darum bemühen sollten, falls noch keine vorhanden ist - auch vielleicht professionelle. Wichtig ist auch ausreichend Bewegung an der frischen Luft durch spazieren- und einkaufen gehen sowie Termine wahrnehmen, um so einer möglichen Vereinsamung vorzubeugen. Natürlich sollten jetzt auch schon alle am besten geimpft sein, da die meisten meiner Klient*innen zur Priorisierungsgruppe 2 gehören. Ich hoffe sehr, dass die meisten Unterstützung erhalten und so die Hoffnung auf ein Ende der Pandemie nicht aufgeben.

Inwiefern verändert Corona Deine Arbeit?

Ich habe um einiges mehr Arbeit als vorher. Meine Mitarbeiter*innen im Bereich des Betreuten Wohnens (BeWo) sind deutlich mehr belastet - unsere Klient*innen natürlich auch. Wir leisten extreme Motivationsarbeit und führen viele aufbauende, Hoffnung gebende Gespräche. Behördengänge und administrative Aufgaben sind erheblich erschwert, da die Mitarbeiter*innen von Ämtern und Behörden nur noch online und oftmals nicht telefonisch erreichbar sind. Ich musste mich - natürlich wie jeder andere in entsprechenden Einrichtungen auch - um die Umsetzung von Hygienemaßnahmen, Testungen und anderen Vorschriften kümmern. Also über zu wenig Arbeit kann ich mich gerade nicht beklagen. :-)

Was möchtest Du noch sagen?

Ich hoffe, dass wir weltweit die Pandemie mit den schlimmen Schicksalsschlägen vieler Menschen bald alle hinter uns lassen können. Ich freue mich wieder auf viele persönliche Kontakte, auf Feiern, auf Konzerte, auf Reisen… eben auf unbeschwerte Lebensqualität. In dem Sinne wünsche ich allen durchzuhalten, Pläne

zu schmieden und Hoffnung zu behalten!

Ihre Ute Holsinger

Bildquelle: Photo by Adam Nieścioruk on Unsplash